FRANZ KAISER RETROSPEKTIVE

OH SCHÖNE WELT!
Ein Hamburger Maler – verfemt, vergessen, wiederentdeckt

Die GALERIE1565 freut sich, die außergewöhnliche, humorvolle und gesellschaftskritische Kunst von Franz Kaiser präsentieren zu dürfen. Die Themen, die diesen streitbaren Künstler und Freigeist in der Zeit zwischen 1920 und 1970 beschäftigten, wirken auffallend aktuell in unserer Gegenwart. 

Eine hochspannende Ausstellung über das schöpferische Lebenswerk von „FranzKa“, wie er selbst sich nannte, ist entstanden. Wir organisierten sie in Zusammenarbeit mit dem Sammler Herrn Dr. Jürgen Winzer und der Kunsthistorikerin Frau Dr. Maike Bruhns, die sich insbesondere mit den verfemten Künstlern des Nationalsozialismus beschäftigt.

In ihre Kunstsammlung hat sie bereits einige Werke Franz Kaisers aufgenommen. Diese werden zukünftig in der „Parabel“, dem von Frau Dr. Bruhns im Herbst öffnenden Privatmuseum in Hamburg Ohlsdorf zu sehen sein.

Franz Kaiser (1888-1971), studierter Architekt, war ein vielseitiger Mann; ein Außenseiter mit einer ungewöhnlichen Biografie. Maler und Bildhauer, Philanthrop und Antifaschist, Querdenker und Naturfreund. Als kritisch kommentierender Zeitgenosse erlebte er zwei Weltkriege, die bewegten zwanziger Jahre und die NS-Zeit, geprägt von Vertreibung aus dem Hamburger Gängeviertel, Verhören durch die Gestapo in der Stadthausbrücke, Inhaftierungen, mehrfacher Flucht und schließlich Zwangsarbeit, unter anderem bei den Klöckner Werken in Hamburg Moorfleet. In den Jahren nach der Befreiung 1945, geprägt vom Krieg, entstand FranzKas Hauptwerk. 

(Der Morgen I 1933 I Bleistift, Feder, Aquarell, 40×45 cm)

Schon zu Lebzeiten fanden seine Werke interessierte Sammler, die wohl bekanntesten waren Helmut und Loki Schmidt. Kaisers umfangreiches Werk wurde nach seinem Tode von Dr. Jürgen Winzer in Hamburg bewahrt, welcher ihm als Freund und Arzt nahestand. Dieser gründete auch den seit 2017 aktiven „Freundeskreis Franz Kaiser“, welcher sich dafür einsetzt, den heute vergessenen Künstler und sein großes Werk, das über 1500 Arbeiten umfasst, an die Öffentlichkeit zu bringen und zu würdigen. Im Zuge dieser Arbeit hat die Hamburger Kunsthalle im Jahre 2018 zwei Werke von Kaiser als Wiedergutmachung erworben, nachdem im Rahmen der „entartete Kunst Aktion“ 1937 das im Besitz der Kunsthalle befindliche Bild „die Afrikanerin“ entfernt und zerstört wurde. 

(Segen auf die Saat, denn aus dem Nebel entwickelt sich neues Licht I 1960 I Öl auf Pappe I 58×60 cm)

Eine Zusammenstellung von ca. 70 Werken, von denen auch einige Exponate zum Kauf angeboten werden, sind ab April in der Galerie1565 zu sehen, ergänzt durch erklärende Schrifttafeln sowie ein Video mit Erinnerungen von Zeitzeugen und Wegbegleitern. 
Zur Vernissage am 25. April 2024 werden wir den Gästen mithilfe eines Dialoges zwischen Frau Dr. Bruhns und Herrn Dr. Winzer über Franz Kaiser einen lebendigen Eindruck vom Künstler vermitteln und damit dessen Werk in die Gegenwart transportieren.

Der Titel der Ausstellung „Oh schöne Welt!“ spiegelt die Ähnlichkeit der Themen in der damaligen und heutigen Zeit mit eindrucksvoller Deutlichkeit und lädt dazu ein, sich auf die Zeitreise zu Franz Kaisers Leben einzulassen.